Die demographische Entwicklung mit einem zunehmenden Anteil älterer Mitbürger mit erhöhtem Versorgungsbedarf macht neue aufsuchende Versorgungsstrukturen notwendig. Als ein Lösungsansatz hierfür wird im „Dötlinger Modell“ der Einsatz einer arztnahen Gemeindeschwester AnGS benannt.

Elemente aus bereits bestehenden Modellen (Agnes, Mopra..) wurden dabei übernommen und den örtlichen Bedürfnissen in Dötlingen angepasst.

In Gebieten mit geringer Arztdichte ist bereits jetzt eine Arztentlastung durch medizinische Fachkräfte erforderlich und wird dort erprobt, dabei steht die Delegation bestimmter Leistungen am Patienten im Vordergrund. Eine weiterqualifizerte Fachkraft (Arzthelferin, Krankenschwester o.ä.) übernimmt dort die Hausbesuchstätigkeit des Arztes bei der Betreuung Kranker. In Gebieten mit geringer Arztdichte soll dadurch der Aktionsradius und die Anzahl der Patienten einer Praxis erhöht werden.

Noch ist die hiesige Region gut mit Hausärzten versorgt.

Ausgehend von den Versorgungsproblemen älterer Menschen, dem auch hier zu erwartenden Ärztemangel und der Situation in der Gemeinde sollte bereits jetzt eine vorhandene Arzthelferin/med. Fachkraft hauptsächlich für vorbeugende (präventive) Hausbesuche eingesetzt werden.

Da 90 % der über 65-jährigen einen Hausarzt haben, kennt die Arzthelferin in dessen Praxis die Patienten seit Jahren. Daher ist sie für diese Aufgabe am besten geeignet. Kosten und Zeitaufwand für eine weitere Qualifikation fallen zunächst nicht an. Es erscheint daher auch wenig sinnvoll, auf kommunaler Ebene eine Gemeindeschwester nach dem Vorbild der ehm. DDR und damit eine zusätzlich Schnittstelle zu schaffen.

Die wesentlichen Ansätze des Dötlinger Modells werden im Folgenden kurz dargestellt:

  •  Die Arzthelferin/med. Fachkraft soll hier vorrangig vorbeugende/präventive Hausbesuche bei älteren/behinderten Menschen und deren Angehörigen durchführen, um soziale, psychische und medizinische Probleme rechtzeitig zu erkennen und Hilfen einzuleiten (Home care).
  • Hierzu werden zunächst Patienten der Praxis vor Ort nach speziellen Kriterien ausgewählt.
  •  Für diese Aufgabe arbeitet sie mit Hilfsdiensten und – einrichtungen, sowie mit ehrenamtlichen Kräften zusammen.
  •  In Teambesprechungen mit Pflegekräften, Therapeuten und Ärzten erörtert sie besondere Fälle. Somit sorgt sie für bessere Kommunikation zwischen den Versorgungsebenen (Case Management).
  • Sie koordiniert bei Krankenhaus- und Heimentlassungen die erforderlichen Hilfen für die Patienten.
  •  Auf Anweisung der Arztes übernimmt sie in Delegation auch beratende und Therapie überwachende Aufgaben (Arztentlastende Funktion).

Das Projekt ist als selbstlernendes Modell gedacht. Während einer Anlaufphase sollen zunächst folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie hoch ist der Besuchsbedarf bei Senioren in einer Gemeinde wie Dötlingen
  • Wie groß der Zeitaufwand und damit der Personalbedarf?
  • Welche zusätzlichen Hilfsmittel werden benötigt?
  • Werden zusätzliche Qualifikationen benötigt?
  • Welche Fragebögen ( Assessment ) zur Einschätzung des pflegerischen, psychsozialen, medizinischen Bedarfs sind erforderlich und praktikabel?
  • Lassen sich Krankenhaus-/ Heimeinweisungen vermeiden, die Verweildauer verkürzen und möglicherweise sogar Kosten sparen?
  • Lässt sich dieses Modell auf andere Gemeinden übertragen?
  • Wie hoch ist der finanzielle Aufwand und wer trägt ihn?